RegLeo und der Trompeter

Am Mittwoch dem 29. Juni2011 fuhr RegLeo nach Bad Säckingen um die Stadt des Trompeters sowie das dort befindliche Pumpspeicher Kraftwerk Hotzenwald zu besuchen. Schon am Anfang schien alles schief zu laufen. Unser Stadt- und Kraftwerksführer hatte doch tatsächlich den Termin verpasst, um rechtzeitig mit uns loszufahren. Trotzdem wagten wir uns auf die Reise.

Im Zug nach Singen kam dann die erlösende Nachricht, dass er wie wir trotzdem pünktlich um 12:00 Uhr in Bad Säckingen eintreffen würde. Der nahezu Pünktlichkeit der Deutschen Bahn sei Dank. Er stieg tatsächlich aus dem Gegenzug um 12:00 Uhr aus, ... ... sodass unserer Stadtbesichtigung nur das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen konnte.
Zuerst sahen wir die dreieckige Geschichtsstele, die die drei wichtigsten Themen darstellt: 1. Bad, 2. St. Fridolin und 3. Trompeter. Dann ging es zum Gallusturm, der 1343 als Wellenbrecher ... ... gegen Fluten und als Verteidigungsturm auf der auf der damaligen Rheininsel errichtet worden war.
Gleich bei dem Turm steht der Gallusbrunnen mit dem hl. Gallus mit gezähmtem Bären. Er und Fridolin waren Missionare im 6. Jahrhundert in Süddeutschland und in der Schweiz. Rheinaufwärts sieht man das 1967 errichtete Laufwasserkraftwerk ... ... und rheinabwärts die 400 Jahre alte Holzbrücke.
Durch die Fischergasse kamen wir zunächst an dem ... ... Zunfthaus der Fischer vorbei, die durch Fisch- Fähr- und Flößerrechte ein gutes Einkommen erwirtschaften konnten. Auf der Chorseite des Fridolin Münsters steht der hl. Fridolin mit dem Urso, dem Herrscher von Glarus.

Der von Chlodwig II., Dagoberts Sohn, beschenkte Fridolin kam auf seinen heilbringenden Wanderungen auch in das Land Glarus im Gebirge Alemanniens, das den Brüdern Urso und Landolf gehörte. Urso führte als neugetaufter Christ ein musterhaftes Leben, vermachte, dem Tode nahe, seine Hälfte Güter dem Kloster Säckingen und entschlief selig im Herrn. Nach seinem Tode sollten die Güter laut Testament dem Kloster anheim fallen, aber der geizige Landolf setzte sich ungerechter Weise in den Besitz derselben. Fridolin als Vorsteher des Klosters führte nun vor dem offenen Gerichte zu Müsinen Klage, der Gegner leugnete. Das Gericht gab sofort Fridolin den Bescheid, seine Rechte durch Zeugen zu erweisen. Fridolin versprach, binnen festgesetzter Frist glaubwürdige Zeugen zu stellen, und zog aus übernatürlichem Antriebe nach Glarus zum Grabe des vor zwei Jahren verstorbenen Urso und rief den Toten, dass er im Namen Gottes wieder auflebe, um der Wahrheit Zeugnis zu geben. Und siehe! der Grabstein hob sich, die Erde kreiste, und der Leichnam stand auf und wandelte mit Fridolin Hand in Hand zum Gerichte Müsinen, wo die Schöffen und Landolf schon der Zeugen harrten. Der Auferstandene erhob schweren Vorwurf gegen seinen Bruder und bekräftigte seine Schenkung vor den erbleichenden Richtern. Der kinderlose Landolf schenkte voll Entsetzen zu dem Anteil seines Bruders auch sein eigenes Gut dem Heiligen zum Baue des jungen Gotteshauses. Der Tote ward von Fridolin wieder zur Ruhe in sein Grab geführt.

Zum Gedenken daran wurde diese Statue an dem Fridolins Münster angebracht. Von dem Münster ging es zu einem weiteren wichtigen Bestandteil der Geschichte Bad Säckingens: Die Entstehung des Versepos von Josef Victor Scheffel.

Geschichtliche Tatsache ist, dass zur Zeit des 30-jährigen Krieges der wohlhabender Bürgersohn Franz Werner Kirchhofer und die adelige Maria Ursula von Schönau heiraten wollten. Das gefiel ihren Brüdern, die die Vormundschaft über dieses Mädchen hatten, überhaupt nicht. Igitt igitt, eine Adelige mit einem gewöhnlichen Bürgersohn. Doch sie hatten die Rechnung ohne die vorderösterreichische Regierung gemacht. Die beiden heirateten, Kirchhofer konnte durch Salzhandel zu Vermögen kommen und die Oberaufsicht über die Rheinfähre übernehmen, und sie lebten 60 Jahre lang glücklich zusammen und hatten 5 Kinder.

Und was macht dieser Griffelspitzer und Verseschreiber daraus? - Eine unglückliche Liebesgeschichte, die eigentlich sein eigenes Leben darstellte und in dem Vers gipfelte:

Behüt dich Gott, es wär' so schön geworden
Behüt Dich Gott, es hat nicht sollen sein.

Die Gemeinde Säckingen hat natürlich dieses Epos und den Dichter zu ihrem Eigentum gemacht und vermarktet dies noch heute sehr geschickt.

Eines der Titelfiguren dieses Versepos ist der Kater Hidigeigei, dem die Stadt Säckingen ebenfalls ein Denkmal errichtete. Weiter ging es am Rhein entlang ... in Richtung der 400 Jahre alten Holzbrücke.
Auf dem Weg dahin sehen wir, mit welchen Urgewalten der Rhein vor der Flussregulierung im Jahre 1853 ... ... die Menschen auf der Rheininsel bedroht hatte. An diesem Pfeiler der Holzbrücke sind die Pegelstände anschaulich dargestellt.
Auf dem Weg zur Brücke kommen wir an dem Deutschordensritterhaus, dem Hallwylerhof vorbei, das nur deshalb erwähnenswert ist weil dieser Märchenerzähler Scheffel während seinem insgesamt 18 Monate dauernden Aufenthalt in Säckingen hier gewohnt hat. Die Brücke lässt schon äußerlich erkennen, dass sie nicht gerade über den Rhein gebaut wurde. Dieses Schaubild auf der Brücke zeigt, welche Angst die damals Herrschenden vor den Revolutionären der Freiheitsbewegung von 1848/49 gehabt hatten.
Die Ausblicke von den Brückenöffnungen zeigen die reizvolle Landschaft des Oberrheins.   Hier sehen wir den Diebesturm, ...
... den wir aus zeitlichen Gründen nicht besuchen konnten. Die Wetterlage war gekennzeichnet durch den klärenden Begriff: Gipfel der Berge in Wolken. Über diese Brücke ging in vergangenen Jahrhunderten ...
... der gesamte Grenzverkehr der Region in die Schweiz. Als Ingenieure bewunderten wir natürlich die ... Konstruktionsdetails der Brücke.
Hier verlassen wir deutsches Staatsgebiet und begeben uns auf das ... ... Terrain eines diebischen Bergvolkes, das es nur auf unsere Millionen abgesehen hat (:-)) Hier kann man den geschwungenen Verlauf der Brücke nachvollziehen.
Der Grund dafür ist die Bauausführung. Man hat vor 400 Jahren bei einem extrem niedrigen Wasserstand ... ... die hölzernen Fundamente der Brückenpfeiler in die vorhandenen Sandbänke gerammt. Deshalb sind die Pfeilerabstände auch nicht gleich, sondern variieren von 23m bis 35m (der Länge der tragenden Eichenbalken wegen).
Zart besaitete Wesen mit Spinnenphobie sollten allerdings den Blick nach oben in die Holzkonstruktion vermeiden. Hier das erste Zeichen der modernen Wegelagerei. Was man nicht alles beachten muss, wenn man die Grenzen des Schengenabkommens verlässt.
Hier eine erfreuliche Tafel, die uns etwas über unseren neuen Standort verrät. Aber gleich dahinter das böse Gespenst der Wegelagerer. Nach einigen Erklärungen ...
... zum angepassten Verhalten im eidgenössischen Lebensraum ... ... sind wir auch dieser Herausforderung gewappnet. Hier eine offizielle Erklärung zu dieser Holzbrücke. Nicht mitgeteilt ist, wie oft der Vater Rhein in der Vergangenheit die vielen Vorgänger dieser Brücke auf seiner Wanderung zur Nordsee einfach zum Mitgehen überredet hat.
Bei der Rückkehr ins gelobte Deutschland müssen wir leider konstatieren, dass es hier die gleichen Wegelagerer wie auf der anderen Seite der Brücke gibt. Auf diesem Schaubild sieht man deutlich, wie unsere begrenzte Zeit uns wichtige Sehenswürdigkeiten von Säckingen gestohlen hat. Wenigstens können wir den niemals gelebten Trompeter von Säckingen sehen.
Auch das gibt es hier: In Reichweite der Brücke einen Laden, der uns helfen will, unsere Millionen Spargroschen oder Parteispenden sicher vor dem deutschen Fiskus zu verstecken (bis dass eine CD auftaucht). Haus zum Falken mit gekehlten Fenstern und Polygonalerker Haus zur Fuchshöhle - um 1600 ... .
... erbaut und mit Fassadenbemalung mit Motiven aus den Werken von Joseph Victor Scheffel. Im Portal des Fridolinsmünster ebenfalls die Figuren des hl. Fridolins mit Urso. Das Fridolinsmünster ist die Kirche des einstigen ...
... adeligen Damenstifts. Die genaue Gründungszeit ... ... durch den hl. Fridolin ist mangels schriftlicher Quellen unbekannt. Die Krypta stammt aus dem 10. Jahrhundert und ist ...
... nach dem Schema des St. Gallener Klosters erbaut. Zwischen 1343 und 1360 Errichtung des gotischen Baukörpers, der ... durch einen Brand im Jahre 1678 stark beschädigt wurde.
Der Wiederaufbau leitete die Barockisierung ein. Nach einem erneuten Brandunglück ... ... im Jahre 1751 wurde sie heutige Form im Auftrag ...
... der Äbtissin Maria Josefa Regina von Liebenfels ... durch den Stuckateur Feichtmayr und dem Maler Spiegler gestaltet. Das Portal wurde durch den Deutschordensbaumeister Bagnato erstellt.
Die Kirche wurde im 19. und 20. Jahrhundert renoviert und ist heute die römisch katholische Pfarrkirche von Bad Säckingen. Zum Abschluss des Stadtrundgangs noch ein Blick auf den Marktplatz ... ... und die Seite des Fridolin Münsters.
Dann wurde es auch schon höchste Zeit, dass wir uns unserem zweiten Ziel der Reise zuwenden ... ... dem Kavernenkraftwerk der Schluchseewerk AG. Hier bekommen wir einen schematischen Überblick über die Höhenverhältnisse des Kraftwerks.
Nach einer Filmvorführung, die uns allgemeine Informationen über Pumpspeicherkraftwerke vermittelte, fuhren wir mit einem Bus den 1,6 km langen Stollenweg bei 7% Gefälle zu der Anlage. Die Maschinenhalle mit ihren vier Turbinen-, Generator/Motor- und Pumpeneinheiten ... ... sind beeindruckend. Hatten wir in Iffezheim vier Laufwasserturbinen mit je 25MW Leistung gesehen, so konnten wir hier ...
... vier Francisturbinen mit je 92,5MW Leistung bei je 24,5 m³ Wasser pro Sekunde bestaunen. Drei Speicherpumpen mit je 70,7MW fördern in der Schwachlastzeit je 16m³ Wasser pro Sekunde nach oben. Bevor eine Pumpe so richtig loslegen kann, muss sie erst den Gegendruck der 400m Fallhöhe aufbauen. Zur Regelung dazu sind die Kupplungen vorgesehen.
Wir sind hier auf eine Plattform, die uns den Blick auf die Aggregate zulässt. Über uns befindet sich ein ca. 300m hohes Felsgebirge aus Granit ... ... und die Höhe der Aggregate liegt 35m unter dem Wasserspiegels des Rheins, der als natürliches Unterbecken dient.
Für alle Extremfälle ist vorgesorgt. Sollte der Bus in dem Einfahrtstollen brennen, so könnten wir in diesem Rettungsstollen in Ruhe abwarten, bis der Katastrophenschutz aus Basel uns hier herausholt. Auch wenn der Strom komplett ausfallen sollte, sit mit diesen schwerkraftbetätigten Rückflussklappen eine Überflutung der Kaverne verhindert. Es gibt immer etwas zu reparieren, deshalb ist hier ein Ersatzteillager der wichtigsten Materialien angelegt.
Damit waren wir dann am Ende unserer ... ... Führung durch das Kraftwerk und ... ... zu Fuß zu dem wartenden Bus zurück ...
... der uns den langen ansteigenden Weg zum Ausgang der Kaverne zurückbrachte. Nach einer Fahrt mit dem Zug von Bad Säckingen nach Singen konnten wir uns dann dort zum verdienten Abendessen niederlassen. Die Rückfahrt nach Stuttgart verlief ...
... wie üblich bei einer so langen Fahrt recht gemütlich bei ... ... einem Gläschen Rotwein und Gesprächen über den ereignisreichen Tag. Wir sind wohlbehalten in Stuttgart angekommen.

Dieser Bericht ist wieder etwas umfangreicher geworden, damit alle, die nicht dabei waren einen Eindruck gewinnen, was sie verpasst haben.

Ich danke unseren beiden Fotografen für die prompte Lieferung der Bilder. So konnte sich diesen Bericht pünktlich ins Netz stellen.