Fahrt mit der Sauschwänzlesbahn

Ausnahmsweise nicht an einem Donnerstag, sondern an einem Mittwoch fuhr RegLeo nach Blumberg im Schwarzwald, um eine Nostalgiefahrt mit einem Dampfzug auf der Strecke von Blumberg nach Weizen mitzufahren. Mit 22 Teilnehmern waren wir eine für unsere Verhältnisse recht große Gruppe.

Wie bei RegLeo üblich fuhren wir mit dem Baden-Württemberg- Ticket ... ... von Stuttgart über Rottweil und Donau-Eschingen nach Blumberg. Die Sauschwänzlesbahn ist als "strategische Bahn" ...
...zwischen Blumberg und Weizen von der ehemals Großherzoglichen Badischen Staatsbahn gebaut worden. Die politische "Großwetterlage" im Südwesten des deutschen Reiches ... ... war Grund für den Bau dieser Strecke.
1871 war das Elsaß deutsch geworden. Da die Regierenden in der Hauptstadt Berlin aber in den darauf folgenden Jahren mit einem erneuten Krieg gegen Frankreich rechneten, ... ... ergab sich für Deutschland das Problem der raschen Truppenverschiebung entlang der südlichen Reichsgrenze in Ost-West-Richtung ins Ober- bzw. Süd-Elsaß. Seitdem im nordamerikanischen Sezessionskrieg 1861-1865 erstmals die Eisenbahn eine kriegsentscheidende Rolle spielte, ...wurden vor allem die Schienenwege in die militärischen Überlegungen einbezogen: für die Truppen- und Materialtransporte.
... wurden vor allem die Schienenwege in die militärischen Überlegungen einbezogen: für die Truppen- und Materialtransporte. Zunächst gab es aber in Südbaden keine einzige für solche Transporte brauchbare Eisenbahnstrecke, ... ... die von Osten her direkt in Richtung Ober-Elsaß geführt hätte.
Denn die einzige Bahnlinie, die überhaupt in Frage gekommen wäre - die Hochrheinstrecke ... ... Konstanz-Singen-Basel - führte an zwei Stellen durch Schweizer Hoheitsgebiet. Im Kriegsfall mußte mit hoher Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden, ...
... daß die Schweiz, um ihre Neutralität zu wahren, die Durchfahrt für deutsche Militärzüge sperren würde. So forderte die damalige Reichsregierung den Bau von Bahnen, welche die Schweizer Kantone auf deutschem Gebiet umfahren. Der - wirtschaftlich interessante - Plan einer Zufahrtslinie zum Gotthard trat in den Hintergrund ...
... und statt dessen wurde - ganz im Geiste des preußischen Militarismus - der Bau sogenannter "Strategischer Umgehungsbahnen" in Angriff genommen. Diese aber konnten sich unter ökonomischen Gesichtspunkten zu keiner Zeit rentieren. Eine dieser strategischen Umgehungsbahnen war die Wutachtalbahn, ...
... die den Zweck hatte, Militärtransporte um den Schweizer Kanton Schaffhausen herumzuführen. 1875 war bereits, bei Oberlauchringen von der Hochrheinstrecke abzweigend, eine Stichbahn durchs Wutachtal bis Stühlingen gebaut und 1876 bis Weizen verlängert worden. Die Verbindung von Weizen nach Immendingen wurde in nur vier Jahren - von 1886 bis 1890 - hergestellt und der Verkehr am 20. Mai 1890 auf diesem Streckenteil freigegeben.
Der Name "Wutachtalbahn" blieb erhalten, obwohl die Bahn außer dem Wutachtal auch das Kommental und das Aitrachtal befährt. Durch diese drei Täler führt auch der Mittelteil, ... ...die heutige Museumsstrecke. In Hintschingen erreichte die Wutachtalbahn die Schwarzwaldbahn, und in Immendingen fand sie Anschluß an die Donautalbahn und die Gäubahn, ... ...so daß nun Züge aus Richtung Ulm und Stuttgart auf kürzestem Wege in Richtung Weil am Rhein und von dort ins Ober-Elsaß geführt werden konnten.
Im Verlauf von zwei Weltkriegen wurde sie tatsächlich von zahlreichen Militärzügen, ... ...auch Material-, Kohle-, Verwundeten- und Kriegsgefangenentransporten befahren. Für ihre eigentliche Aufgabe, die Sicherung des Ober-Elsaß nach Süden hin, ...
... hat sie jedoch nie eine bedeutende Rolle gespielt. Vollends unnütz war sie in Friedenszeiten, denn in ihrem Bereich ... ... bestand für Bahnverkehr kaum Notwendigkeit.
Und der Durchgangsverkehr in Ost-West-Richtung wickelte sich nach wie vor über die dichter besiedelte und schnellere Hochrheinstrecke und seit 1901 über die Höllentalbahn mit Anschluß an Donaueschingen ab. So ist es kaum verwunderlich, daß sich durch die Geschichte einer Bahn, die im Grunde gar keine Existenzberechtigung hatte, ... ... Schwierigkeiten, Merkwürdigkeiten, Gegensätze, Enttäuschungen und Überraschungen wie ein roter Faden hinziehen. Einiges davon sei kurz dargelegt.
Die hier dargestellten Bilder ... ... zeigen einen kleinen Ausschnitt ... unseres Ausflugs in die Vergangenheit.
Nostalgischer Dampzugbetrieb weckt in jedem unserer ... ... älteren Buben eine Erinnerung an die eigene Kindheit. Für Mittag- und Abendessen blieb genügend Zeit.
Besondere Erwähnung sind nur noch folgende Begebenheiten: Auf der Hinfahrt konnten wir schon in Stuttgart feststellen, dass die Bundesbahn nicht planen kann. Drei fast leere Zugeinheiten fuhren in Richtung Freudenstadt, während nur eine Zugeinheit nach Rottweil fuhr. Als dann in Böblingen noch ca. 150 Schüler nach Sulz am Neckar einstiegen, war der eine Zugteil hoffnungslos überbesetzt.
Auf der Rückfahrt mit der Gäubahn meldete sich der Zugführer in regelmäßigen Abständen mit der Durchsage, dass im ersten und letzten Wagon die Klimaanlage ausgefallen sei, und dass Passagiere, denen es zu warm sei, sich bitte in die beiden mittleren Wagons begeben sollten. In Höhe Böblingen meldete der Zugführer, dass in Herrenberg zwei Damen versehentlich ohne ihre Koffer ausgestiegen seien, und dass ein Herr Bauer, der die Koffer bewachte, sich bitte mit den Koffern in Stuttgart zum Servicepoint begeben solle. Wir haben Ausschau gehalten in Stuttgart - aber keinen Herrn mit zwei Koffern aussteigen sehen.

Trotz dieser Unzulänglichkeiten der DB war unser Ausflug ins Dampfzeitalter eine gelungene Ausfahrt von RegLeo. Alle 21 Mitfahrer danken unserem Gerhard für die hervorragende Organisation. Dass es mit den Temperaturen über 30° C hinausging, können wir ihm so wenig anrechnen, wie damals der Regen in Baden Baden von Kurt verursacht war. Auch die Verspätung des Busses in Blumberg war eine Erfahrung, die man einfach so mitnehmen muss.